Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter. Buchvorstellung mit Sophie von Bechtolsheim

Im Oktober ist die Historikerin und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944, Sophie von Bechtolsheim, zu Gast in der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität. Die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg stellt ihr zum 75. Jahrestag des Attentats auf Hitler erschienenes Buch über ihren Großvater vor.

Die Bibliothek lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Sie begleitet die Ausstellung „Der Führer Adolf Hitler ist tot.“ Attentat und Staatsstreichversuch am 20. Juli 1944, die noch bis 30. Oktober 2019 in der Bibliothek der HSU präsentiert wird. Der Eintritt ist frei.

Montag, 28. Oktober 2019 • 18 Uhr
Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität
Hauptbibliothek
Holstenhofweg 85
22043 Hamburg

Über das Buch
Wer von Attentätern hört, der denkt an Terroristen, die aus einer fanatischen Ideologie heraus Angst und Schrecken verbreiten wollen. Nichts davon trifft auf Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu. Stauffenberg und sein gescheiterter Versuch, den nationalsozialistischen Wahnsinn zu stoppen, sind zu einem Mythos geworden, das Gedenken ist ritualisiert. Andererseits provoziert das inzwischen abenteuerliche Gegenentwürfe auf schwacher Faktenbasis. Der wirkliche Mensch Stauffenberg in seiner Vielfalt tritt hinter all diesen Zuschreibungen zurück. Sophie von Bechtolsheim erzählt erstmals von den zahlreichen Stauffenberg-Bildern, die ihr im Laufe ihres Lebens begegnet sind – in der Wissenschaft, in den Medien, aber vor allem in der Familie. Sie fragt danach, wie Stauffenberg und die anderen, oftmals vergessenen, Protagonisten des 20. Juli heute noch Vorbilder sein können. Sie erkundet die Kehrseite der Verantwortung, die Schuld, und stellt sich die Frage, wieviel uns heute Freiheit wert ist. Ein Buch über den Mann, der es mit Hitler aufnahm – wie er wirklich war. [Verlag Herder]

„Mein Großvater wollte nicht das Attentat, er wollte den Umsturz; aber den Umsturz, das sah er klar, konnte es nicht ohne das Attentat geben. […] Also führte mein Großvater notgedrungen die Tat aus. Kann man ihn deswegen schlicht als ‚der Attentäter‘ bezeichnen und damit bewusst auf ‚die Tat‘ reduzieren? Als würde man ihn in die Reihe stellen mit den Attentätern der Rote-Armee-Fraktion […] Oder gehört er in die Riege der islamistischen Attentäter unserer Tage? Es ging aber bei den Ereignissen vom 20. Juli 1944 nicht darum, Terror in die Welt zu setzen, sondern Tyrannei zu beenden. Mein Großvater hat sein Leben für den Versuch verloren, eine neue gerechte Ordnung zu ermöglichen. Er folgte seinem Gewissen. Was auch immer man von ihm denken mag, er hat es nicht verdient, am Ende, wie schon 1944, als ‚der Attentäter‘ verurteilt zu werden.“ [S. 138 f.; Bestand Bibliothek der HSU, Signatur POL 139:YD0015]